Als mir als Oberstufenlehrerin ein Bildungsurlaub zugesichert wurde, stand für mich fest, dass ich unter anderem auch ‹Die Chance› besser kennen lernen wollte. Ich dachte anfangs an einen bis zwei Tage. Als ich dann zu einem interessanten Gespräch nach Staad eingeladen wurde, war mir sofort klar, dass ich mehr Zeit dafür investieren wollte. Wir einigten uns dann auf zwei Tage vor und eine Woche nach meinem Skilager.
Am Donnerstagmorgen lernte ich das ganze Team kennen. Jean-Pierre Dällenbach begleitete ich bei den ‹Eintrittstest’s›, wo Helmut Gehrer die Anwesenden mit einer Powerpoint-Präsentation über ‹Die Chance› informierte. Die Aufnahmegespräche wurden je nach Persönlichkeit der Teamleitung sehr unterschiedlich durchgeführt. Dies zeigt mir wieder einmal mehr, dass ‹viele Wege nach Rom führen›. Diese Gespräche verlangen zum Teil sehr viel Fingerspitzengefühl; vor allem dann, wenn einem Jugendlichen von möglichen zukünftigen Lehrmeistern bereits grosse Hoffnungen gemacht wurden für eine 4-jährige Lehre, obwohl der Test und die Schulnoten ganz deutlich zeigen, dass es kaum zu einer 3-jährigen Lehre reichen wird. Wichtig erscheint mir, dass eine ganz klare Reihenfolge eingehalten werden muss. Zuerst die Einstufung, dann das Gespräch und am Schluss das Unterzeichnen des Lehrvertrags. So können sehr viele Unannehmlichkeiten vermieden werden.
Am Nachmittag begleite ich den Leiter der Stiftung, Helmut Gehrer, ins Büro. Er zeigte mir viele Unterlagen und Prospekte und schildert einige interessante Fälle. Ich bin beeindruckt von der Arbeit der Stiftung ‹Die Chance›! An einem weiteren Morgen nahm ich am Alltagsgeschehen von Helmut Gehrer teil. Das Telefon klingelte fast ununterbrochen und im Einverständnis mit den Anrufern durfte ich die Gespräche mitverfolgen. Unterschiedliche Fragen wurden gestellt, ‹stille Hilferufe› von Müttern und Bekannten, verzweifelte Jugendliche, die nicht mehr weiter wussten und vieles mehr.
Am Montagnachmittag und -abend begleitete ich Jean-Pierre Dällenbach zu Lehrlingsbeurteilungsgesprächen nach Sennwald und Rüthi. Wir wurden jeweils sehr herzlich empfangen und ich durfte den offenen Gesprächen zwischen den Lernenden, den Eltern, dem Lehrmeister und den Berufsbildnern beiwohnen. Der Bildungsbericht wurde gemeinsam ausgefüllt und – wenn nötig – Ziele vereinbart oder Aufgabenhilfe verordnet.
Am Dienstag nahm ich an der Teamsitzung teil. Die Ausbildungsberater begegnen sich sehr herzlich, und eine angenehme Atmosphäre herrschte. Trotz der sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten spürte ich, dass alle dieselben Ziele verfolgen: Sie möchten möglichst vielen Jugendlichen eine Chance geben, das Leben zu meistern. Eine Ausbildungsart zu vermitteln, sie zu begleiten, zu motivieren und alles möglichst zu einem erfreulichen Abschluss!
Die Zusammenarbeit im Team funktioniert sehr gut und bei Problemfällen unterstützen sich Teamleiter und Ausbildungsberater gegenseitig. Da manchmal unterschiedliche Personen bei einem Jugendlichen beteiligt sind, ist es hilfreich, wenn der Datenaustausch optimal funktioniert!
Am Mittwoch begleitete ich Gaby Braun. Sie zeigte mir Ihre Büroarbeiten, die täglich anfallen und schilderte mir einige interessante Fälle. Bei einem Besuch in der Berufsfachschule Uzwil lernten wir zwei betroffene Lehrer und den Rektor kennen. Die ‹Aufgabenhilfe› von drei Schülern wurde diskutiert und wie die Überprüfung der genutzten Zeit am besten eingesehen werden könnte. Wichtig ist auch eine gute Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Berufsfachschulen. Gaby Braun beeindruckte mich auch mit ihrer Ausbildung zum Lerncoach, die sie mit Peter Hotz absolvierte, und die Erfolge, die sie mit dieser ‹Therapie› erzielen konnte!
An meinem letzten Schnuppertag begleitete ich Peter Hotz, der ebenfalls ein sehr engagiertes Teammitglied ist. Nach etwas Einblick in seine Büroarbeit besuchten wir einen Jugendlichen und ich durfte das ‹Genius – Training› miterleben, das fast Wunder bewirkte. Diese Art der Persönlichkeitsentwicklung und Steigerung der Merkfähigkeit ist bestimmt eine sehr grosse Hilfe für manch unbeholfenen Jugendlichen, der auch Mühe mit Lernen hat.
Nach einer Besprechung mit einer Jugendlichen in einem Coiffeursalon begutachteten wir die Kunstwerke der Bäcker- und Konditorausstellung in Weinfelden. Wunderschöne Exemplare präsentierten die Lehrlinge an dieser Ausstellung. Natürlich wurden auch hier wieder wichtige Kontakte geknüpft, die den Jugendlichen hilfreich sein werden.
Meine Schnuppertage vergingen wie im Fluge und ich fühlte mich sehr wohl in diesem Team. Ich möchte mich nochmals bei allen ganz herzlich bedanken für die wertvolle Zeit, die mir einen sehr guten Einblick ermöglichte! Ich kann ‹Die Chance› allen weiterempfehlen. Das sehr engagierte Team verzeichnet hohe Erfolgsquoten, denn die geleistete Arbeit ist einzigartig!
Wichtig scheint mir, dass die Jugendlichen diese Gelegenheit wahrnehmen, Ihr Bestes geben und ihr Ziel auch mit viel Fleiss erreichen möchten! Ein sehr eindrücklicher Satz eines Teammitgliedes war: «Wir sind Türöffner und Begleiter für dich, aber was du daraus machst, hängt ganz von dir ab!»
Yvonne Morath-Roth
